Dieses Mal haben wir einmal mehr in Kanada angerufen, um uns mit einem Spieler zu unterhalten, der von 2014 bis 2019 fünf Spielzeiten unser Trikot getragen hat. Nicht nur wegen der gewonnenen Meisterschaft hat Jens Meilleur jede Menge schöne Erinnerungen an die Zeit in Nordhessen.
„Ist das schön, dass ihr an mich denkt“ begrüßt Jens uns am Telefon aus dem kanadischen Manitoba. „Ich habe meine Zeit in Kassel geliebt und freue mich auf das Gespräch!“
Jens kommt aus einer eishockeybegeisterten Familie. Seine Brüder Lars und Mats spielten auf semi-professionellen Niveau, Schwester Meike schnürte für die Penn State University die Schlittschuhe.
Die Wurzeln der Familie liegen im Norden Deutschlands. Jens‘ Großeltern verließen ihre Heimat wegen des Krieges und bauten sich in Kanada eine neue Existenz auf. „Witzig ist, dass mein Opa aus Flensburg und meine Oma aus Hamburg stammen, sie sich aber erst hier in Manitoba kennenlernten“ erzählt der Deutsch-Kanadier. „Ich habe es geliebt, in Deutschland zu leben. Einige Dinge sind einfach entspannter als in Kanada. Zum Beispiel, dass am Sonntag die Läden geschlossen bleiben und Familienzeit angesagt ist. Die vielen kleinen Läden, wo man einkaufen konnte und viele andere Dinge des Alltags, mir gefiel der Lebensstil sehr!“
In der Jugend spielte der in Marquette geborene Rechtsschütze bei diversen lokalen Vereinen und durfte seine Heimatprovinz bei der U17 World-Challenge vertreten. Ab 2010 lief Jens für den renommierten Club Brandon Wheat Kings in der kanadischen Top-Juniorenliga WHL auf. „Gegen Ende meiner Junioren Karriere in Brandon hatte ich einige Optionen für den Einstieg in den Profibereich. Mein Spieleragent hatte gute Kontakte nach Kassel und ich dachte in Deutschland zu spielen könnte eine tolle Erfahrung werden. So habe ich als junger Mann mit 21 Jahren bei den Huskies angeheuert.“ Das klingt nach Abenteuer.
„Definitiv, es war auch nicht ganz einfach am Anfang, man kennt die Stadt und die Sprache nicht, muss sich erstmal zurechtfinden. Aber sobald ich meine Mitspieler kennengelernt hatte und die ersten Wochen vergangen waren, lief alles sehr gut. Ich hatte großartige Mitspieler wie die Kasseler Jungs Manu, Michi, Alex und Adriano, die mir das Ankommen erleichtert haben. Sie waren wie große Brüder für mich. Auch mit Mülli, der damals auch als junger Spieler neu in Kassel angekommen war, habe ich viel unternommen.“ Dann lobt er Mülli’s Einsatz für den Club und freut sich über den Rekord für die die meisten Spiele, die sein ehemaliger Kollege letzte Saison geknackt hat und fasst am Ende zusammen: „He‘s a legend!“
Sportlich fand sich der Jungspund direkt sehr gut zurecht und wurde schnell zu einem wichtigen Spieler für die frisch aus der Oberliga aufgestiegenen Schlittenhunde. „Eben wegen der großartigen Unterstützung konnte ich mich voll auf das Hockeyspielen konzentrieren. Da ich in der Liga ein unbeschriebenes Blatt war, konnte man mich nicht so richtig einschätzen und ich hatte die Gelegenheit, mich als Spieler gewissermaßen neu zu definieren.“ Über die Jahre reifte Jens zu einem vielseitigen Spieler, schwer auszurechnen vor dem Tor, mit gutem Auge für die Mitspieler, zweikampfstark und teamorientiert. Ob er nun die gegnerische Top-Reihe verteidigen musste, oder selbst in den vorderen Formationen der Huskies für Offensivgefahr sorgte – Jens erfüllte seine Aufgabe stets mit vollem Einsatz und viel Leidenschaft. „Unser Coach Rico Rossi hat mir nach und nach als Spieler gute Möglichkeiten gegeben und ich durfte mit einigen Top-Leuten zusammenspielen. Jahr für Jahr fühlte ich mich sicherer und spielte mit mehr Selbstvertrauen.“ Nach zwei Spielzeiten wechselte Jens zu den Nürnberg Ice-Tigers in die DEL, kehrte aber nach einigen Monaten wieder nach Kassel zurück. „Es hat einfach nicht gepasst, ich war froh wieder „nach Hause” zu können“ ordnet er seinen kurzen DEL-Ausflug heute ein. In den letzten beiden Spielzeiten im Kasseler Trikot hatte sich Jens zu einem kompletten Spieler entwickelt. „Es fühlte sich gut an, die Mischung aus Offensiv- und Defensivspiel stimmte.“
„Die Zeit in Kassel hat mich sehr geprägt und mir die Möglichkeit gegeben, mich als Eishockeyspieler und Mensch weiterzuentwickeln. Ich bin dort erwachsen geworden. Ich habe auch neben dem Eis einfach so viele hilfsbereite und positive Menschen kennenlernen dürfen.“ Einen Lieblingskollegen auf dem Eis zu benennen, fällt auch Jens erwartungsgemäß nicht leicht: „Im Meisterschaftsjahr habe ich mit Jamie MacQueen und Braden Pimm zusammengespielt, das war eine klasse Reihe und hat viel Spaß gemacht. Wenn ich mir dauerhaft zwei Nebenleute hätte aussuchen dürfen, wären da noch Michi Christ und Manu Klinge in Frage gekommen. Großartige Jungs, ihre Nummern hängen aus guten Gründen unter dem Hallendach.“
Neben der überraschenden Meisterschaft 2016 fallen Jens noch weitere Highlights aus seiner Zeit beim ECK ein. „Meine Familie besuchte mich über die Weihnachtsfeiertage in Kassel und hat sich eines meiner letzten Profispiele angeschaut. Beim Heimspiel ist mir ein Hattrick gelungen. Es war klasse, dieses Erlebnis mit meiner Familie zu teilen. Ebenso mein erstes Tor in der Kasseler Eissporthalle, das war gegen Weißwasser. Ich konnte nicht glauben, was da abging und wie laut die Fans waren. Das werde ich nie vergessen!“ 78-mal ließ Jens während seiner Kasseler Zeit den Puck im gegnerischen Netz zappeln, bereitete weitere 87 Treffer vor. Somit erreichte der Rechtsschütze eine beachtliche Bilanz von 165 Punkten in 279 Einsätzen für Blau-Weiß.
Nach Kassel würde Jens nur zu gerne mal wieder reisen, wenn es die Zeit erlauben würde. „Ja, es ist zu lange her. Vielleicht ladet ihr mich ja zu Marcos Legendenspiel ein, wenn es eines Tages so weit ist.“ Notiert!
Bis dahin wird Jens dem Eishockey trotz beendeter Spielerkarriere weiter treu bleiben. Aktuell gibt er die Liebe für den Sport an den Nachwuchs weiter. „Ich coache in unserer kleinen Community in der St. Eustache Minor League. In meinem Heimatort, wo ich selbst das Eishockeyspielen lernte. Dort biete ich Gruppen für Skills-Training und Powerskating für Kinder im Alter von 7-17 Jahren an. Im Winter wirke ich auch an größeren Hockey Camps mit.“ Ansonsten arbeitet Jens in der dritten Generation im Familienbetrieb, einer großen Gemüsefarm. Eben jene Farm, die Hedwig und Johannes, die ausgewanderten Großeltern, seinerzeit gründeten. Mittlerweile ist der 33-Jährige selbst Familienvater.
„Grüße bitte alle Huskies Fans und die ganze Organisation! Ich bin dankbar für die vielen großartigen Leute, die ich in Kassel getroffen habe und die mich auf meinem Weg unterstützten. Wir sehen uns!“ Dein Wort in Herkules‘ Ohr!
Foto: HuskyWiki
Quelle: Kassel Huskies